In einer Art publizistischen Kampagne begleiten viele hundert politische Lieder und gereimte Gedichte die zahllosen kriegerischen Auseinandersetzungen und Fehden des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Es sind politische Propagandatexte, die in der Regel von Höfen, Stadträten oder Kanzleien verbreitet wurden und zahlreiche Argumente aus offiziellen Dokumenten oder Chroniken aufgreifen. Diese Texte verhöhnen den Gegner, bestärken die eigenen Anhänger und versuchen, unentschlossene Dritte für die eigene Sache zu gewinnen. Die Lieder und Reimpaarsprüche nehmen in tendenziöser Weise auf einen konkreten Krieg oder eine Fehde Bezug und versuchen, die öffentliche Meinung über den behandelten Vorfall in eine bestimmte Richtung zu lenken. Sie beziehen sich auf Stadt-Adels-Konflikte, inneradlige Fehden, eidgenössische Kriege, Hussitenkriege, den Bauernkrieg von 1525, die Türkenkriege und den Schmalkaldischen Krieg (1546/47). Krieg erscheint als geeignetes Mittel, um Recht und Ordnung zu wahren oder Wiederherzustellen und den Gegner für seine Untaten zu bestrafen. Auffällig ist dabei das Fehlen einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen Krieg und seinen Folgen für die betroffenen Menschen.