Das gegen »Kahlheit der Aufklärung« (Hegel) gerichtete religiöse Interesse vieler Autoren der deutschen Romantik an Naturphilosophie, Magie und Pantheismus, an mystischer Sprachtheorie und Symbolik, an Theogonie und Kosmogonie lässt sie die Kabbala wiederentdecken. Die jüdische Mystik wird zur religiösen, philosophischen und künstlerischen Inspirationsquelle, aber auch zum Gegenstand wissenschaftlicher und weltanschaulicher Auseinandersetzung bei jüdischen und besonders christlichen Romantikern. Der bislang so gut wie nicht erforschte Zusammenhang und die Wechselbeziehungen von Kabbala, Wissenschafts-, Literatur- und Geistesgeschichte der Romantik waren 1991 Thema von zwei interdisziplinären Tagungen an der Universität Kassel und der Hebräischen Universität Jerusalem.
Christoph Schulte, geb. 1958, ist Professor für Philosophie und Jüdische Studien an der Universität Potsdam und forscht dort am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien. Er war Fellow und Gastprofessor in Jerusalem, Montreal, Paris, Chicago und Aix en Provence. Eveline Goodman-Thau, Jerusalem, ist Professorin für Jüdische Religions- und Geistesgeschichte und Rabbinerin. Sie lehrt an der Universität Wien und ist Direktorin der Hermann-Cohen-Akademie für Religion, Wissenschaft und Kunst.