§06§§Die ATB ist die traditionsreichste Editionsreihe der germanistischen Mediävistik. Begründet 1881 von Hermann Paul, wurde sie von führenden Fachvertretern, Georg Baesecke, Hugo Kuhn, Burghart Wachinger, betreut. Seit 2001 liegt die Verantwortung in den Händen von Christian Kiening.§ §Die mittlerweile etwa 120 Bände verknüpfen exemplarisch Handschriftennähe und Lesbarkeit, wissenschaftliche Arbeit am Text und Blick auf die akademische Lehre. Sie umfassen anerkannte, zum Teil kommentierte Ausgaben 'klassischer' Autoren der Zeit um 1200, aber auch veritable Werkausgaben (Notker der Deutsche) und anspruchsvolle Neueditionen (Eckenlied, Heinrich von dem Türlin). § §15§§»Die sieben weisen Meister«, eine Erzählsammlung orientalischen Ursprungs, wurden in fast alle Literaturen Europas übersetzt. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden allein in deutscher Sprache vier Versionen mit vierzehn verschiedenen Fassungen. Die meisten sind Bearbeitungen oder Übersetzungen der vor 1342 entstandenen »Historia septem sapientum«. Die Rahmenerzählung von den sieben weisen Meistern umschließt hier fünfzehn argumentativ eingesetzte Exempel und Novellen, darunter weitverbreitete Stoffe der internationalen Erzählliteratur wie »Die Witwe von Ephesos«, »Das Schatzhaus des Rhampsinit« oder »Amicus und Amelius«. Während die beiden Versfassungen bereits 1841 und 1846 von Adelbert Keller herausgegeben wurden, gab es von den acht deutschen Prosaübersetzungen der »Historia« bisher nur einen Nachdruck des ältesten Drucks von 1473. Die hier erstmals edierte Prosafassung dürfte im zweiten Viertel oder um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden sein. Der reizvoll erzählte T §15§ext ist nur aus der Gießener Handschrift 104 bekannt, wo er Niklas von Wyles sogenannter »2. Translatze«, Steinhöwels »Griseldis«, der »Ordnung der Gesundheit« und Thürings von Ringoltingen »Melusine« vorangeht. Die Ausgabe wird durch Bemerkungen zum Stoff und seiner Bearbeitung, zur Überlieferung, zur Schreibsprache und zur Textgestaltung eingeleitet und durch stoff- und motivgeschichtliche Anmerkungen ergänzt. Fortlaufende sprachliche Erläuterungen unter dem textkritischen Apparat erleichtern die Lektüre.§ §07§§The Altdeutsche Textbibliothek [Old German Text Library] is the series of editions of German medieval texts with the richest history. Foundedin 1881 by Hermann Paul, it has been edited by leading Germanists- Georg Beasecke, Hugo Kuhn, Burghart Wachinger. Since 2001, responsibility for the series has rested with Christian Kiening.§In the meantime, the series comprises some 120 volumes, with an exemplary combination of closeness to the original manuscript(s) with ease of reading, philological accuracy with concern for university teaching. It includes recognised editions of "classical" authors from around 1200- some with commentary- but also presents veritable editions of authors' works (Notker the German) and high-quality new editions (Eckenlied, Heinrich von dem Türlin).§ §01§Burghart Wachinger, geb. 1932 in München, studierte lateinische, griechische und deutsche Philologie in München. Promoviert wurde er 1958 ebenfalls in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Deutsche Literatur des Spätmittelalters, Lyrik und kleinere Formen, Überlieferungsgeschichte sowie Textkritik und Edition. 1969 übernahm er die Professur für Mediävistik am Deutschen Seminar an der Universität Tübingen.