§06§§Die Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters (MTU), seit Band 102 beim Max Niemeyer Verlag, machen bisher nicht oder ungenügend erschlossene Texte, Stoffe und Gattungen zugänglich. Neben höfischem und Heldenepos und der Lieddichtung des Hohen und Späten Mittelalters sind vor allem auch Prosaschriften des weltlichen und geistlichen Bereichs, vom theologischen Traktat über die Mystik bis zum Spiel und zur Sachliteratur aus der mittelalterlichen Alltagswelt vertreten.§Die Auswahl der publizierten Werke besorgt ein internationales Gremium von Mediävisten verschiedener Disziplinen.§ §15§§Ältere Literatur ist weit mehr als moderne in dem verwurzelt, was 'man weiß'. Mittelalterliche Erzählungen sind voll von Szenen, in denen es zum Problem wird, sicher zu bestimmen, wer und was einer ist, seine Identität. Wie und woran man einander erkennen sollte, ist für moderne Leser höchst befremdlich. Die Szenen setzen jedoch zeitgenössisch übliche kognitive Praktiken voraus, und sie arbeiten sich zugleich an der Vorstellung ab, dass das Äußere einer Person im Idealfall ihr Inneres repräsentiert. Auf der Basis zahlreicher mittelhochdeutscher Heldenepen und höfischer Romane rekonstruiert das Buch zum einen eine Systematik der Muster, die den literarischen Figurationen schwierigen Erkennens zugrunde liegen; zum anderen nutzt es diese Muster als zentrale Interpretamente von Einzeltextanalysen (v.a. zu Wolframs Willehalm, zum Wolfdietrich D, zum Tristan-Stoffkomplex und zum uvre Konrads von Würzburg). Gezeigt wird, welche Rolle sie im Bedeutungsaufbau der einzelnen Texte spiel §15§en, wie sie neben- und gegeneinandergestellt werden, wie ihr potentieller Problemgehalt radikal ausspekuliert wird - und wie so die soziale Semiotik der Adelsgesellschaft an ihre Grenzen geführt wird, ohne dass sich schon historisch spätere Alternativen abzeichneten.§ §12§§"Wer sein großartiges Buch liest, erkennt in Armin Schulz einen germanistischen Mediävisten, von dessen brillianter Intelligenz man nur profitieren kann."§Andreas Kraß in: Zeitschrift für deutsche Philologie 1/2011§ §07§§TheMunich Texts and Studies on German Medieval Literature (MTU), published by Max Niemeyer from Volume 102 onwards, provide access to texts, materials and genre which have hitherto not been available or easily accessible. Besides courtly poetry and heroic epics and song poetry from the High and Late Middle Ages, the series principally presents sacred and profane prose writings, from theological tracts via mysticism to plays and non-fiction works from everyday life in the Middle Ages. The selections of works to be published is undertaken by an international board of medievalists from various disciplines.§§